„Bitte vergesst uns nicht“

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FEUCHT — Der Arbeitskreis Feuchter Gewerbe sorgt sich um die ortsansässigen Unternehmen, einigen drohe bereits das Aus







Jammern oder gar Schwarzmalen gehört nicht zu den Eigenschaften des Klaus Metz. Mit Blick auf die angespannte wirtschaftliche Situation der ortsansässigen Unternehmen, sagt der Vorsitzende des Arbeitskreises Feuchter Gewerbe ganz klar: „Ich und der gesamte Arbeitskreis wollen nicht zu negativ sein, denn das hilft uns ja in der jetzigen Situation nicht weiter.“ Und dennoch bewegt sich Metz aktuell in einer Art Grauzone. Auf der einen Seite die berechtigten Existenzängste aufgrund des andauernden Lockdowns, auf der anderen der Glaube „an ein normales Leben nach der Pandemie.“

Doch damit dieses Leben irgendwann wieder wie gewohnt stattfinden kann, bedarf es der Unterstützung der Feuchter Firmen. Für die finanzielle Hilfe zeichnet der Bund verantwortlich, doch „noch immer sind bei vielen Unternehmen in Feucht bis jetzt erst 20 Prozent der versprochenen Novemberhilfen ausbezahlt“, stellt Metz klar. Zwar besteht seit einigen Wochen die Möglichkeit auf das sogenannte Click & Collect, wirklich zielführend ist diese Maßnahme jedoch nicht. Anders ausgedrückt: Überleben wird ein bereits angeschlagenes Uternehmen aufgrund der Bestell- und Abholmöglichkeit der Kunden nicht. „Das ist natürlich keine ernsthafte Einnahmequelle beziehunsgweise kein adäquater Ersatz für das reguläre Geschäft“, stellt Metz klar.

„Das Wasser läuft schon in den Mund“

Als Beispiel nennt er unter anderem Reinigungsfirmen und Blumenläden, Bekleidungsgeschäfte sowie die Gastronomie. „Tatsache ist: Einigen unserer Unternehmen steht das Wasser nicht mehr nur bis zum Hals, sondern das Wasser läuft ihnen bereits in den Mund“, betont Metz. Eines der Unternehmen, das der angespannten Situation zumindest vorübergehend nicht mehr Stand halten konnte, ist die Gaststätte Drei Linden. Ende Januar sahen sich die Betreiber gezwungen, ihr Lokal in der Bahnhofstraße zu schließen. „Leider müssen wir euch nach 25 Jahren mitteilen, dass wir vorerst unseren Betrieb auf unbestimmte Zeit einstellen müssen. (…) Wir bedanken uns ganz herzlich für eure treue Hilfe und Unterstützung und für die wundervollen Jahre und Momente“, teilten sie über soziale Medien mit. Glaubt man Klaus Metz, könnten schon bald weitere Betriebsschließungen folgen. „Sollte der Lockdown noch ein oder zwei Monate länger andauern, dann würde es wahrscheinlich noch mehr Unternehmen aus Feucht erwischen“, fürchtet er.

Um den Betrieben zur Seite zu stehen und eine Perspektive für die Zeit nach der Pandemie zu geben, plant der Arbeitskreis neue Maßnahmen. „Wir wollen am Anfang eine schnell erreichbare Internetplattform schaffen, auf der alle Geschäftebetreiber ihre speziellen Dienste während Corona anbieten können und auf der die entsprechenden Ansprechpartner sofort und unkompliziert zu erreichen sind. Wir wollen zudem eine E-Mail einrichten, über die der AFG alle Vorschläge, Ideen und Hilfsangebote von Kunden und Geschäftstreibenden entgegennimmt“, erklärt Metz. Die Umgestaltung des Internetauftritts befände sich hierzu bereits in den letzten Zügen.

„Dem Einzelhandel ein Gesicht geben“

Größtes Vorhaben ist jedoch eine Plakataktion, die in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Marktes Feucht entstehen soll. „Ziel ist es, dem Einzelhandel ein Gesicht zu geben. Wir wollen den Bürgern die Menschen zeigen, die hinter den Geschäften stehen und klar machen, dass an jedem einzelnen Geschäft auch Schicksale hängen. Nach dem Motto: Seht her, wir sind immer noch da, bitte vergesst uns nicht und kauft wieder bei uns ein, sobald es wieder möglich ist“, kommentiert Philipp Ankowski, Sachbearbeiter in der Geschäftsleitung des Marktes Feucht. Auch ihn treiben der wochenlange Lockdown und dessen wirtschaftliche Konsequenzen weiter um. „Die Verlockungen des Internets sind natürlich groß, darum wollen wir die Bevölkerung auf die vielen kleinen, regionalen Betriebe aufmerksam machen.“

Eine gesunde und abwechslungsreiche Gemeindekultur „jenseits der rein funktionalen Monokultur des Internet-Handels“ zu erhalten, sei von sehr großer Bedeutung, ist auch Klaus Metz überzeugt. Auch, weil „ein lokal verwurzeltes Geschäft eine weitreichendere Bedeutsamkeit besitzt, als nur den Austausch von Waren und Geld.“ In wenigen Tagen sollen die Plakate in Auftrag gegeben und schließlich aufgehängt werden. Schön sollen sie sein, und auffallen. Und daran erinnern, den Einzelhandel vor der Haustür durch diese schwere Zeit hindurch zu begleiten.

Artikel von Daniel Frasch, Der Bote Feucht

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